Dr. Peter Deinlein

17.06.2020
Infos über medizinische Versorgung

FREIE WÄHLER informieren sich über medizinische Versorgung
Die Vorhaltung bedarfsnotwendiger Krankenhäuser ist  nach Art. 51 Abs. 3 Nr. 1 Landkreisordnung eine Pflichtaufgabe und wichtigere Kern der kommunalen Daseinsversorgung. Aus diesem Grund informierten sich die Kreistagsmitglieder der FREIEN WÄHLER über die aktuelle Situation und die Zukunftsperspektiven der medizinischen Versorgung im Landkreis Tirschenreuth.
Mit Dr. Peter Deinlein stand den Kommunalpolitikern ein kompetenter Gesprächspartner Rede und Antwort. Der Kemnather Facharzt für Allgemeinmedizin ist neben seiner Praxistätigkeit aktiv tätig im Bayerischen Hausärzteverband und der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern.
Dr. Deinlein berichtete zunächst von der ambulanten Versorgungssituation mit niedergelassenen Fachärzten im Landkreis Tirschenreuth. „Derzeit sind wir noch ganz gut mit Ärzten versorgt, aber der Altersschnitt der Ärzte ist relativ hoch und es wollen  zu wenig junge Ärzte aufs Land. Teilweise gibt es bereits eine Unterversorgung, die nur durch eine erhöhte Mobilität der Patienten ausgeglichen wird“, so der Mediziner. Mit Berichten aus den eigenen Erfahrungen bestätigten die FREIEN WÄHLER diese Einschätzungen.
In Zukunft müssen Konzepte und Strukturen gefunden werden, die den Arztberuf auf dem Land attraktiver machen und die medizinische Versorgung der Bevölkerung auf hohem Niveau sichern. Richtige Schritte sind dabei der Lehrstuhl für Allgemeinmedizin an der Uni Regensburg, die Landarztquote im Studium und Stipendien für Medizinstudenten die sich auf dem Land niederlassen wollen.  Auch die finanzielle Förderung von Praxisgründungen stellt einen wichtigen Baustein dar.
Wir müssen im Landkreis Tirschenreuth auch aktiv um junge Ärzte werben und Ihnen die hohe Lebensqualität unserer Region darstellen. Das Rückkehrer-Management sollte dringend auf junge Ärzte aus unserem Landkreis zugehen und sie zur Rückkehr in die Heimat ermuntern. Mit geeigneten Praxisräumen und medizinischer Infrastruktur können auch die Kommunen ihre Attraktivität für junge, niederlassungswillige  Ärzte steigern, so die Meinung der FREIEN WÄHLER.
Dr. Deinlein ergänzte, dass auch die Weiterbildungsangebote für junge Ärzte und auch für medizinische Fachangestellte  auf dem Land fachlich, organisatorisch und finanziell deutlich verbessert werden müssen. Die Intensivierung der Zusammenarbeit im bestehenden Weiterbildungsverbund der Praxisärzte und der Klinik Nordoberpfalz AG wäre hierfür wichtig. Auch die in der Region Nordoberpfalz installierte „Gesundheitsregion plus“ könnte ein wichtiger Partner sein.
Auch die Organisationsstrukturen in den Arztpraxen müssen sich verändern. Praxisgemeinschaften, Gemeinschaftspraxen und Medizinische Versorgungszentren(MVZ) in denen Ärzte verschiedener Fachrichtungen praktizieren, können die Situation verbessern.  Dr. Deinlein wies allerdings darauf hin, dass aus seiner Sicht nur Ärzte als Gesellschafter eines MVZ denkbar sind. Kapitalinvestoren mit Renditeabsichten lehnt er in der ambulanten, medizinischen Versorgung ab. Auch sollte die Vertragsgestaltung so sein, dass angestellte Ärzte nach einer bestimmten Zeit die Möglichkeit haben Gesellschafter zu werden.
Mit neuen Strukturen verringern sich für die Mediziner das finanzielle Risiko der Praxisgründung und die Belastung durch Buchhaltung und Verwaltung. Auch flexible Arbeitszeiten und Teilzeitarbeit sind möglich. Gerade viele junge Ärzte/Ärztinnen schätzen diese Entlastung von organisatorischen Aufgaben und die Möglichkeiten die Anforderungen aus Familie, Leben und Beruf in Einklang zu bringen.
Wichtig für den Arztberuf sind aber immer individuelles Engagement, medizinischer Ethos und das Mitgefühl mit den Patienten, stellte Dr. Deinlein klar und kritisierte, dass im Gesundheitswesen heute viel zu oft die wirtschaftlichen Überlegungen im Vordergrund stehen. Diese Einschätzung fand die volle Unterstützung der Kommunalpolitiker und wurde ergänzt mit dem Hinweis, dass dies auch in den Krankenhäusern gelten muss.
Für die Qualität der medizinischen Versorgung in der Region sind neben den Arztpraxen vor allem auch leistungsfähige Krankenhäuser unbedingt notwendig. Gerade die Corona-Pandemie der letzten Wochen hat gezeigt, dass der rein wirtschaftliche Denkansatz, der den Kliniken aufgezwungen wird, nicht nachhaltig ist. Die Einschätzung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, dass in einem Flächenland wie Bayern 50 – 70 große Kliniken für eine effektive Gesundheitsversorgung ausreichen, sollte mittlerweile deutlich widerlegt sein. „Wir wollen unsere Klinik Nordoberpfalz AG in kommunaler Trägerschaft erhalten“, so die FW-Kreistagsmitglieder.
Dr. Deinlein unterstützte diese Absicht und plädierte für die Erhaltung der wohnortnahen Grundversorgung in den Krankenhäusern Tirschenreuth und Kemnath und er befürwortete auch die Weiterführung der geriatrischen Rehabilitation in Erbendorf.  Er wünschte sich zum Wohl der Patienten eine deutliche Verbesserung der Kommunikation und  Zusammenarbeit zwischen Krankenhäusern und Praxisärzten.